Wiederaufnahme der Forschung im Ahnenschacht (1626/50)

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Begonnen hat das Ganze nach der letzten Tour im Schönbergsystem. Die Forschung am Ende des Systems ist mehr oder weniger für uns zu Ende und die Aussicht auf weiteres Neuland sehr gering. Seile werden also auch nicht mehr in diesem Bereich benötigt und müssen raus gebracht werden. Da wir mit den Gängen nun mehr oder weniger seitlich am Ahnenschacht vorbei sind, ist bei uns die Idee geboren, in dem weiter zu machen. Ich ging also an einem Samstagmorgen gemeinsam mit Robert Wurzinger und Jetz Wolfgang hoch zum Separatistenschacht um die Seilbergung durchzuführen. Wolfgang ist ein Höhlen-Tauchkollege aus dem Salzburger Höhlenverein und kannte bis zu dem Zeitpunkt noch nichts von der Höhle. Aus diesem Grund gingen wir nicht wie geplant in die Ahnenhalle, sondern über die Abkürzung Tohuwabohu ins Biwak bei Messpunkt 142 im „Großen Horizontalgang“.

An dieser Stelle lagen noch die Seile, mit denen wir den 210m Schacht letztes Jahr befahren haben. Wir nahmen die Biwakausrüstung und Seile mit und machten uns auf den Rückweg. Nach 6 Stunden haben wir die Höhle verlassen.

Einige Tage später, am 29.6.2010, machte ich mich mit Jasmina auf den Weg Richtung Hochkogelhütte, um die geborgene Ausrüstung in den Ahnenschacht zu bringen. Erst spät, um 13.30 Uhr, begannen wir mit dem Aufstieg, das Gepäck ließen wir von der Materialseilbahn hochbringen. Nach gut einer Stunde kamen wir bei der Hütte an, nahmen das Gepäck auf und setzten unseren Weg weiter zum Ahnenschacht fort. Jasmina hatte 200 m 9,5 mm Statikseil am Rücken und dasselbe nochmals in meinem Schleifsack. Es war nicht unbedingt die beste Tageszeit, um mit schwerem Gepäck durchs Feuertal zu spazieren, aber wir schafften es recht gut in einer weiteren Stunde bis hoch zum Eingangsschacht. Mit kurzer Hose, Stirnlampe und Schachtausrüstung seilte ich die erste 20m Stufe ab und deponierte dort die Seile. Um 19.30 Uhr waren wir wieder zuhause.

8.7.2010: Die zwei tschechischen Kollegen trafen bei mir um 21.00 Uhr ein und verbrachten bei mir die Nacht. Um 6.00 Uhr war Tagwache und wir machten uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Bad Ischl, wo wir Clemens zuhause abholten. Eigentlich sollte das ja ursprünglich ganz anders ablaufen. Jedoch war der Zustieg über die Hochkogelhütte nicht mehr möglich, da 5 Tage zuvor ein sehr starkes Unwetter die Region heimsuchte, die Wege und Forststraßen einfach wegspülte und für uns einen Umweg über die Ischlerhütte zufolge hatte. Wir mussten also entweder über oder um den Schönberg gehen. Nach kurzer Diskussion entschlossen wir uns, den Weg durchs Wildkar und Toten Winkel zu gehen. Nach 2 Stunden 15 Minuten hatten wir es geschafft und machten uns vor dem Eingang bereit zum Abstieg. Ich begann als Erster und fuhr den Schacht bis zu den Seilen, nahm den zusätzlichen Schleifsack auf und setzte meinen Weg fort. Clemens folgte mir und nahm das letzte Material auf. An der Sinterterasse angekommen, warteten wir alle zusammen. An dieser Stelle begannen die langen Schachtstufen. Clemens gab sein zusätzliches Material ab und fuhr als Erster nach 6 Jahren die Seile runter. Er kontrollierte, ob die Einbauten und Seile noch in Ordnung waren. An der Pforte angekommen warteten wir zusammen, um den Weg zum Biwak gemeinsam zu gehen. Im Biwak wurde erstmals alles hergerichtet, Wasser geholt und Tee gekocht. Wir beschlossen, da wir schon im Biwak waren, den Gang weiter in Richtung Belgiersystem zu nehmen. Vom Biwak aus ging’s erst 5 m über eine Sandwand runter und dann den großen steilen Gang 80 Höhenmeter hoch bis zum Endpunkt vor dem Resomega. Das Resomega ist ein anfangs großer, sandig-lehmiger Gang, der ständig auf und ab geht. Er führte uns direkt zum Balkon der Visionäre, bei dem damals 1975 der belgische Forscher verunglückte. Auf dem Weg findet man immer wieder Spuren der damaligen Forscher, angefangen von Karbid, das in Autoreifenschläuche abgepackt ist, bis zu alten Spits und Bandschlingen. Ich denke, dass die noch vorhatten, an dieser Stelle weiterzuforschen, sonst wäre nicht ein so großer Vorrat angelegt worden. Leider hatten wir schon zu Beginn des Belgiersystems Probleme mit dem Bohrhammer, der Akku war leer oder defekt und der 2te Akku im Biwak. Wir waren also immer an natürliche Verankerungen angewiesen, was das Ganze nicht vereinfachte, da es doch sehr anspruchsvoll weiterging. Es kam also irgendwann einmal die Stelle, an der wir nicht mehr so einfach weiterkamen und drehten um. An einer Stelle konnten wir jedoch nicht vorbeigehen. Es kam nahezu der ganze Luftzug einen Schacht hoch und wir mussten da einfach runter. Am Boden des rund 10 m tiefen Schachts setzte ein stark bewetterter Gang an. Schon nach einigen Metern die erste Abzweigung und bald darauf die nächste. Es wurde immer komplexer, bis wir schließlich an eine Stelle angekommen waren an der gleich 4 Fortsetzungen waren!! Wir entschlossen uns umzukehren, bevor wir nicht mehr aus dem Labyrinth raus finden würden. Rückkehr zum Biwak war 20.30 Uhr. 6.00 Uhr, erst mal frühstücken und überlegen, wo wir weitermachen. Ein zweites Mal ins Belgiersystem bringt zwar noch einiges an Neuland, jedoch ist es besser erst mal die Daten zu verwerten, damit man weiß, wo es vernünftig ist weiter zu machen. Wir kommen dann zu der Entscheidung, den Tischplattenschacht im Gemüsegarten zu befahren. Clemens meinte, dass er so -50 m haben wird. Anhand der Pläne und dem 3d Modell kam ich zu der Spekulation, dass der Schacht in den Mammutschacht führen könnte, was sich dann später auch als richtig erwies. Clemens nahm die Bohrmaschine und baute die Seile in den Schacht. Ich kam mit dem Laser Disto hinterher und nahm die Messdaten. Am endgültigen Boden setzte ein enger, aber gut begehbarer Canyon an, den wir ca. 100m bis zu einer Stelle, an der ein Schacht mit ca. -35 m ansetzt, vermessen. Wir gingen zurück zum Beginn des Canyons, wo uns Tomas sagte, dass ein Spit mit einer Lasche dort wäre und wir wussten sofort, wo das nur sein kann. Wir schnitten das Seil am Schachtboden ab und gingen nochmals den feuchten Weg bis zum Spit. Clemens wieder voraus, ich mit dem Laser hinterher, den Schacht runter und erneut in einen Canyon rein. Am Ende des Canyons erneut ein kurzer Schacht den wir nicht frei klettern konnten und  einer musste das ganze Stück zurück, um Seil zu holen. 10m tiefer war er dann, der Siphon der uns den Weiterweg versperrte, und für uns der Umkehrpunkt dieses Tages war. Um 19.00 Uhr ging es ab in den Schlafsack. Um 3.00 Uhr konnte ich vor lauter Kälte nicht mehr schlafen und begann mit Tee kochen und weckte die Anderen auf, denn 8 Stunden Ruhe sollte doch reichen. Um ca. 5.00 Uhr begann ich mit dem Aufstieg, Clemens machte noch ein paar Bilder und folgte mir. Ich erblickte um 6.20 Uhr die Morgensonne, die 3 Nachfolgenden je eine Viertelstunde später. Um 7.30 Uhr ging’s dann hoch über den Ostgrat auf den Gipfel und hinunter zur Ischlerhütte.

Insgesamt eine sehr erfolgreiche Tour und wie schon die Franzosen damals sagten:             „An enormous amount to see and to go back and finish. The more we explore, the more we find!“

Und sie hatten Recht, wir finden immer mehr!!

Am Nachhauseweg machten wir noch einen Abstecher zur Kogelgrabenhöhle, wo 3 unserer Tauchkollegen einen Tauchgang machen wollten. Dort angekommen trafen wir sie sitzend mit einer Dose Bier in der Hand vor einem riesen Steinhaufen am Eingang an. Das Hochwasser hatte auch da seine Spuren hinterlassen. Der Eingang war vollkommen eingestürzt und musste erneut aufgegraben werden. Leider waren Blöcke mit 1 m Durchmesser dabei, die wir nur durch Zerkleinern herausschaffen können. Somit wissen wir schon, was wir am nächsten Wochenende machen ;-))

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