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Die Sandlinghöhle (1613/14a,b)

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ein neues Forschungsobjekt im westlichsten Toten Gebirge

Unter Führung von Dr. Günter GRAF haben Erhard FRITSCH und Walter GREGER am 3. 9. 2004 mit der Vermessung der bisher größten Höhle im Sandling (Gem. Altaussee, Stmk.) begonnen. Ihre Entdeckung liegt schon fast zwanzig Jahre zurück – die erste Begehung erfolgte bereits am 18. 6. 1986 durch Josef ZEPPETZAUER aus Bad Ischl.
Der (untere) Eingang öffnet sich etwa 190 m Luftlinie ESE vom Gipfel des Sandling (1717 m) in 1595 m Seehöhe.

Dank der von Günter besorgten Fahrgenehmigung begann für uns die Mühsal erst an der neuen Forststraße zwischen Brochenem Kogel (1237 m, AV-Karte) und Rehkogel (1260 m). Knapp südlich an einem 1724 aufgeschlagenen Wasserstollen (etwa 1150 m, AV-Karte) vorbei, geht es dann hinauf bis an den oberen Rand des einsamen, schon in der Karte auffälligen, weiten Kares am Ostfuß des Sandlinggipfels. Obwohl dabei nur mehr knapp 500 Höhenmeter zu überwinden sind, zog sich der durchgehend weglose und im mittleren Teil auch noch ziemlich steile Anstieg mehr als vermutet in die Länge.

Portalschacht am Eingang der Sandlinghöhle, im Bild W. GREGER.       Foto E. FRITSCH, 3. 9. 2004

Am Wandfuß oberhalb der Schutthalden angelangt, bietet sich dann der letzte bequeme und (bei Sonnenschein) zugleich auch warme Rastplatz an. Die Höhle ist zwar noch immer nicht in Sicht, man braucht von dort aber nur mehr einige Meter auf ein Latschenband hinaufzusteigen und diesem kurz nach rechts (N) folgen. Danach wird mit Hilfe eines bereits vor Jahren fürsorglich angebrachten Drahtseils der je nach Schneelage recht unterschiedlich tiefe Portalschacht gequert, womit der eigentliche Höhleneingang erreicht ist – ein abschüssiger, eher etwas unwirtlicher Ort, dem frostige Zugluft vom oberen Eingang her entströmt. Zumindest bis Ende Juni soll es hier immer reichlich Eis geben (daher auch die obige Empfehlung bezüglich des Rastplatzes!).
Die nachstehenden Angaben haben rein deskriptiven Charakter, erste Aussagen zur Genese können frühestens nach Abschluss der Vermessung erwartet werden; dzt. fehlen dazu noch so gut wie alle Beobachtungen. Zweifellos liegt die Höhle aber in Jurakalken, die im Umfeld stark tektonisch beansprucht worden sind – eine ausgeprägte SSW/NNE streichende Störungszone ist deutlich erkennbar. Auffällig in diesem Zusammenhang auch das Auftreten eines Hornstein führenden Kalkes (im Hornsteincanyon), der hier eng mit Plassenkalk verzahnt zu sein scheint. Bemerkenswert vor allem aber das Vorkommen von Korallen im oberen Teil des Hauptganges (Korallengang).


Eisbildung in der Sandlinghöhle am 9. Juni 1998.    Foto Josef ZEPPETZAUER, Bad Ischl

Die Höhle besteht – soweit bisher vermessen (245 m) – primär aus einem rund 38 m ansteigenden, fast durchgehend sehr geräumigen 147 m langen Hauptgang, der anfangs nach NW, dann kurz gegen N und zuletzt in nordöstlicher Richtung (nach Überwindung eines kurzen aber an seinem Ausstieg von losen Blöcken umlagerten Kamins) wieder ins Freie führt. Diese obere Tagöffnung liegt fast genau 80 m nördlich des unteren Einganges. Die Sohle dieses Tunnels besteht überwiegend aus Blockwerk und Bruchschutt, sein nördlicher Abschnitt wurde aufgrund von vorgefundenen Versteinerungen als Korallengang bezeichnet.
Rund 60 m vom unteren Portal entfernt, durchschneidet der Hauptgang eine quer verlaufende, annähernd West/Ost ausgerichtete Halle, in der vier weitere Abzweigungen vorhanden sind: Eine kurze, nach 21 m verstürzte, der Schlotgang, liegt recht (östlich) des Hauptganges, die anderen 3 links. Von diesen dreien führt die erste jenseits einer kleinen Senke steil nach NNW aufwärts und über eine senkrechte, 5-6 m hohe Kletterstelle in eine noch unvermessene obere Etage. Die nächstfolgende ist eher unbedeutend und zieht als kurzer enger Canyon nach NW.
Hält man sich schließlich in der Halle scharf links (W) und klettert von deren tiefstem Punkt rund 3 m empor, so kommt man zum Hornsteincanyon, der auf 77 m Länge nach SSW leitet. Hier wurden Überreste von Eptesicus nilssonii, der Nordfledermaus, aufgesammelt. Eine nordwärts ziehende Fortsetzung ist noch nicht erkundet.


Sandlinghöhle, obere Etage, 1. August 2001.        Foto Dr. Günter GRAF

Die bisherige Tiefe des Portalschachtes beträgt nach der Erkundung durch Walter GREGER rund 25 m, der angetroffene Firnhang fällt jedoch weiter ab und konnte mangels Seil nicht mehr bis ans Ende verfolgt werden. Der Höhenunterschied der Sandlinghöhle beläuft sich somit gegenwärtig auf rund 63 m.

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Zuletzt aktualisiert am Montag, 22. Juni 2009 um 20:10 Uhr  

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