Home Forschung Tourenberichte Schönberg-Höhlensystem: Abstieg zum tiefsten Punkt des Feuertalsystems

Schönberg-Höhlensystem: Abstieg zum tiefsten Punkt des Feuertalsystems

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Datum: Fr. 16.1.2009-So.18.1.2009
Teilnehmer: Ludwig Pürmayr, Clemens Tenreiter, Gerhard Wimmer, Tomas Prokes und Jiri Stepanek aus Tschechien

Wir fahren am Freitag Nachmittag nach Bad Ischl, weil sehr wenig Schnee liegt ist es möglich bis zum Parkplatz hinaufzufahren. Bei herrlichem Wetter gehen wir hinauf zur Ischler Hütte, ab dem Bründl mit Schneeschuhen. Jiri und Tomas waren schon auf der Hütte.
Nach einer kurzen Pause zum Jausnen und umpacken gehen wir hinauf zum Separatistenschacht. Dieser war im heurigen Winter bisher offen, dadurch fiel viel Schnee in den Schacht hinein. Clemens seilt um 18 Uhr 30 als erster ab, das unterste Seil ist tief im Schnee und dadurch sehr straff gespannt. Im Anfangsteil sind Eisbildungen. Beim Hineingehen macht Clemens einige Fotos. Nach drei Stunden sind wir im Biwak im Ahnengang.
Samstag 17.1.2009: Nach dem Frühstück packen wir in unsere Schleifsäcke 600 Metern Seil, Verankerungsmaterial und die Bohrmaschine ein. Wir brauchen nur wenige Minuten zum Schachteinstieg neben dem Steinschlagschacht zu gehen. Gerhard, Tomas und Jiri sind die Wegbereiter, Clemens und Ludwig vermessen die teilweise schwierig zu begehenden Höhlenteile. Bereits um 8 Uhr 30 seilt Gerhard als Erster die Erste, 35 Meter tiefe, großräumige Schachtstufe in den Altfranzosengang ab.
Vor 32 Jahren wurden die folgenden Höhlenteile von Franzosen, über den Kacherlschacht bis in eine Tiefe von über 900 Metern befahren. Dies war damals die zweittiefste Höhle in Österreich, wir sehen immer wieder Spits zur Seilverankerung von der damaligen Befahrung. Der Altfranzosengang ist kleinräumig aber nicht eng, am Boden sind mehrere kleine Seen. Die Bewetterung ist auswärts gerichtet. Im mittleren Teil ist links eine Abzweigung, bei einer Engstelle ist eine unterlagernde noch unvermessene Fortsetzung. Hier und in den folgenden Mergelschächten sind Kössener Schichten mit dunklem mergelig schiefrigem Gestein. Der Gang führt nun großräumig in mehreren bis zu 20 Meter tiefen Stufen abwärts. Danach wird es canyonmäßig, eng, zahlreiche Kletterstellen und Abseilstellen bis zu 20 Metern und es ist auch stellenweise feucht obwohl schon länger kein Tauwetter war.

Auf minus 210 Metern in einer Seehöhe von 1230 Meter ist nach einer 18 Meter Abseilstufe ein großer 20 Meter hoher Höhlenraum in NW – Richtung. Wir messen bis zu kurzem Abstieg bei Versturzblöcken, darunter scheint es großräumig weiterzugehen, hier bleibt ein interessantes Fragezeichen.
Wieder zurück, es folgen eine sieben und zehn Meterstufe abwärts. Danach baut Gerhard ein durchgehendes 150 Meter langes Seil ein. Damit kommen wir 115 Meter tiefer, bis auf minus 825 Meter. Die tiefste Schachtstufe ist der Tropflochschacht, die untersten Teile sind sehr feucht und auch recht anspruchsvoll zu begehen. Nach oben zu sind hohe Schlote. Ein sehr feuchter Quergang, ein Aufstieg über eine sehr glatte schräge Platte um dann wiederum 30 Meter in Schacht abzuseilen, bis in eine Seehöhe von 1110 Metern. Laut Planskizze der Franzosen ist eine Fortsetzung nach unten, die aber bald endet. Für uns geht es nun durch das Topodrom großräumig weiter. Ein fünf Meter Kletteraufstieg ist zu bewältigen, in diesen Bereich ist viel Blockwerk. Bald heißt es 12 Meter abseilen in den Brausecanyon, das klingt recht feucht.
Es folgt nun ein neun Meter Abstieg in das kleinräumige Endodrom, es sind zwei kurze Schlüfe zu bewältigen, hier ist kräftiger Luftzug einwärts. Der Gang verläuft in einer Spirale nach unten mit einer 20 und 15 Meterstufe, diese sind wieder normal groß. Zwischen beiden Abseilstufen ist eine bewetterte Fortsetzung. Die Seilverankerungen erfolgen mangels Verankerungsmaterial an natürlichen Haltepunkten. Der Endpunkt ist auf 1062 Meter Seehöhe bei einem Halbsiphon auf minus 870 Meter gerechnet vom Kacherlschachteinstieg. Die Bewetterung ist einwärts gerichtet. Wir sehen Wasserstandsmarken, welche einige Meter höher liegen als der jetzige Wasserstand.
Vor 32 Jahren waren im Sommer die Franzosen hier herunten, wahrscheinlich war damals hier ein Siphon, hinter dem Halbsiphon ist eine kleine Lehmhalde. Wir sind total naß und uns ist kalt, ein durchwaten des Halbsiphons ist absolut nicht einladend. Wir haben insgesamt 813 Meter vermessen.
Um 15 Uhr 15 treten wir den Rückweg an. Wir nehmen alle Seile mit, die Laschen bleiben eingebaut. Der Rückweg mit dem ganzen Material ist sehr anstrengend, nach insgesamt 5,5 Stunden haben wir es alle geschafft. Viel heißer Tee und Suppe wärmen uns wieder auf, dann schlafen wir bis 6 Uhr 45. Am Sonntag gehen wir um 8 Uhr, schwer bepackt, alle Seile mitnehmend bis zu Alice tönendes Wunderland im Großen Horizontalgang kurz nach dem Feuerdom. Hier deponieren wir das Seilmaterial, dieses wird in den neuen Teilen, welche vor einem Jahr entdeckt wurden gebraucht. Beim Biwak im Großen Horizontalgang trennen wir uns, Clemens und Gerhard gehen in das Tohuwabohu und ich mit Tomas und Jiri in die Wildkarkluft. Ich seile in einer Nebenkluft 15 Meter ab und werfe Clemens und Gerhard ein Seil zu. Somit ist ein kurze Verbindung Wildkarkluft - Tohuwabohu –Nebelhalle gefunden und somit ein kürzerer Zugang in die Sahara bzw. zum 210 Meter tiefen Franzosenschacht gefunden.
Um 12 Uhr Mittag sind wir wieder alle aus der Höhle, das Wetter ist gut. Bereits um 14 Uhr sind wir beim Auto. Eine erfolgreiche Tour liegt hinter uns.
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