Nervosität bestimmte die Tage vor der Forschungswoche am Schönberg für Heike und mich. Schließlich kannten wir niemanden vom Landesverein für Oberösterreich. Einzig den Gerhard hatte ich im letzten Jahr auf dem Oktoberfest in München getroffen. Länger als eine Maß Bier haben wir uns jedoch nicht unterhalten. Immerhin, von dort wusste ich, dass er und Clemens äußerst aktiv etwa 10 Stunden vom Eingang entfernt im Feuertalsystem forschen. Den Clemens wiederum kannte ich von der Hirlatztour mit Uli Meyer. Clemens hatte uns damals eine Tauchflasche getragen, durch den Neuschnee gespurt und ist allen, mit seiner extrem starken Kondition, davongezogen. In einem Satz, wir hatten Sorge wir könnten nicht dieses Leistungsniveau mithalten, als wir die Einladung erhielten. Dennoch sagten wir zu.
Gerhard teilte kurz vor dem Termin mit, wir bräuchten nur leichte Tourenausrüstung. Auf der Ischler Hütte wäre schließlich Halbpension gebucht, die wolle er sich nicht entgehen lassen. Außerdem hätte er eine Überraschung für uns, am ersten Tag der Forschungswoche würde vermutlich ein neuer Eingang an den bestehenden Vermessungsstand angeschlossen. Damit würde der Anmarsch ins Forschungsgebiet auf weniger als 1! Stunde reduziert.
Voller Vorfreude starteten wir am Samstag viel zu früh aus München und waren so schon 2 Stunden vor der Zeit am Treffpunkt Rettenbachalm. Nach einer Stunde kamen Max und Heli hinzu. Dann ging es Schlag auf Schlag. Etwa 20 Höhlenforscher trafen mit noch mehr Ausrüstung ein. Das gesamte Gepäck wurde mit dem Materialseilbahn nach oben gebracht. Oben trafen wir Gerhard und Clemens. Den grinsenden Gesichtern nach war klar, das mit der Überraschung hatte geklappt. Sie hatten tatsächlich in einer tagelangen Grabungsaktion einen neuen Zugang zum Feuertalsystem gefunden.
Die Forschungswoche gestaltete sich abwechslungsreich. Max nahm Heike mit auf Tour: Eis und Temperatur wurden gemessen. Kein Weg war ohne Arbeit, Schachtausrüstung wurde sogar bis fast auf den Schönberg geschleppt. Einen Tag Entspannung von den Strapazen und Härten der der Forschungswoche versprach für Heike und mich der große Rundgang in der Raucherkarhöhle. Peter übernahm für uns die Führung. Einzig Clemens und Wigg schienen gegen jede körperliche Schwächeanfälle gefeit. Ob 300 Meter Schacht oder völlige Durchnässung mit humusangereicherten, daher schwarzem Wasser, unermüdlich und jeden Tag waren beide bei jeder Anstrengung dabei. Die Messergebnisse wurden jeden Abend am Laptop ausgewertet und anschließend festgelegt, wo am nächsten Tag geforscht werden sollte. Die Hoffnung der Woche war der mögliche Zusammenschluss des Feuertalsystems mit der Raucherkarhöhle. Während der gesamten Forschungswoche wurden Versuche gestartet, die Verbindung zu finden. Aber keine untersuchte Fortsetzung, trotz aller Bemühungen auch in engsten Löchern, brachte den Erfolg.
Auf einer Fototour entdeckte ich, aufgrund der bisherigen Messdaten nicht ganz zufällig, am Donnerstag einen bislang übersehenen Gang, der noch am selben Tag von Wigg, Gerhard, Gabriel, Clemens und mir vermessen wurde. Wir nannten diese Kluft "Feuchter Tropfsteingang". Sie ist tatsächlich feucht, jedoch der Name kommt vom darüber liegenden Berg Feuchter. Die Vermessung dieses Teils war ein Genuss. Tolle Tropfsteinformationen, Sinter allerorten. Diese Kluft lag in einer Ebene mit den Satansgängen der Raucherkarhöhle, der wir uns bis auf wenige Meter näherten. Wir waren uns sicher, dass am letzten Forschungstag hier der Zusammenschluss gelingen würde. Für den Donnerstag mussten wir jedoch an einem Schacht umdrehen.
Am Abend, als wir voller Zuversicht unsere Hoffnung verkündeten, holte uns Gerald ein wenig herunter. Neben dem Berg Feuchter gibt es auch die "Feuchter Störung". Diese würde uns wirksam davon abhalten den Anschluss des "Feuchter Tropfsteingangs" an die Raucherkarhöhle voranzutreiben. Das Wort der Geraldschen Pseudostörung machte die Runde, wir wollten uns nicht die Gewissheit nehmen lassen.
Am Freitag machte sich Clemens mit Gerhard und Gabriel auf den Weg. Ich konnte mich nicht dazu aufraffen, fand es aber von Clemens sehr nett, dass er, als er schon komplett angeschlazt war, sagte, er würde noch warten, wenn ich nun doch mit wolle.
Es gelang, wie erhofft. Der an diesem Tag vermessene Höhlenteil heißt "Konstante Inhumanität", welche labyrintisch zur Raucherkarhöhle führt. Ich denke der Name lässt auf die Schwierigkeiten schließen. Die drei haben sich den Erfolg erarbeitet. Jedoch sollte man nicht vergessen, es war die Leistung aller. Maßgeblich war die jahrelange Zusammenarbeit unterschiedlicher Forscher: Mir ist vor allem der unermüdliche Arbeitseinsatz von Wigg in Erinnerung, die geniale Datenbank Spelix von Harry mit allen Polygonzügen aller Messtrupps und der allabendliche Datenaustausch mit anschließender Diskussion über die nächsten Schritte.
Mein persönliches Fazit: Der Anschluss war kein Zufall, sondern die Arbeit vieler Mitglieder des Landesvereins für Höhlenkunde Oberösterreich. Beeindruckend soviel Einheit. Mich hat dies so beeindruckt, dass ich heute meinen Mitgliedsantrag abgeschickt habe. Ich bedanke mich bei den Mitgliedern des Landesvereins für Höhlenkunde Oberösterreich für die Einladung und die freundschaftliche Aufnahme zu dieser erfolgreichen Forschungswoche.
Das Schönbergsystem ist nun mit ihrer Länge von 120,404 m die längste Höhle Österreichs. Es ist auch die erste Höhle, die mit über 100 km in Österreich vermessen ist.
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